Die Akutstation Hennigsdorf mit Soteria- Elementen ist eine Station mit einem geschützten Akutbereich, der baulich und therapeutisch mit einem offenen Bereich mit Soteria-Elementen verbunden ist. Seit 2019 sind wir offiziell von der IAS zertifiziert. Wie wir in vorherigen Publikationen belegen konnten, gelang es so auch im abgetrennten Akutbereich einen signifikanten Beitrag zur Reduktion von Anwendung von Zwangsmaßnahmen und Übergriffen zu erreichen. Ein weiteres Projekt, was dem Wunsch nach Deeskalation und v.a. auch Netzwerkarbeit mit relevanten Playern außerhalb der Klinik entsprach, war 2022 die Etablierung eines „Runden Tischs Oberhavel“. Hier trifft sich die Leitungsebene der Klinik quartalsweise mit Vertretern der Gerichte, der Polizei, des Rettungsdienstes, des sozialpsychiatrischen Dienstes oder auch des Ordnungsdienstes und bespricht anonymisiert herausfordernde Fallkonstellationen, aber auch optimierungsfähige Abläufe. Dies führte in der Folge zu einem besseren Krankheits- und Rechtsverständnis, mehr Handlungssicherheit für alle Beteiligte und insgesamt zu einer deutlich verbesserten interinstitutionellen Zusammenarbeit. Ob dadurch eine weitere Reduktion von Übergriffen und auch eine Vermeidung von Zwangseinweisungen, eine bessere ambulante Anbindung erreicht werden konnte, wird derzeit ausgewertet. Einen Überblick über den bisherigen Stand gibt folgender Artikel.
Diese Zusammen- Arbeit des „Runden Tisch OHV“ und der darin enthaltene Geist von Soteria entsprechen brandaktuell den Forderungen der DGPPN, die Versorgung und die Netzwerkarbeit zu stärken, um Gewalt zu verhindern, anstatt sicherheitspolitisch bspw. auf einen höchst umstrittenen Ausbau erweiterter Meldepflichten zu setzen (hier).
Soteria ist nicht nur eine alternative Versorgungsform, sondern hat auch nach 50-jährigem Bestehen weiter das Potential das Versorgungsangebot der psychiatrischen Kliniken von innen heraus zu verbessern und unterstreicht damit einmal mehr die von der WHO 06/2021 vorgenommene Einstufung des Konzeptes als „Good Clinical Practice“ zur Förderung personenzentrierter und rechtebasierter Ansätze.
Dr. Theresa Wolf-Hellberg (Hennigsdorf)