Luc Ciompi-Preis 2021

Seit dem Jahr 2015 wird im Rahmen des Jahreskongresses der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) ein Luc Ciompi gestifteter Preis verliehen für wertvolle wissenschaftliche Arbeiten zu den Wechselwirkungen zwischen Emotion und Kognition und deren Konsequenzen für das Verständnis und die Behandlung von schizophrenen Psychosen. Der Preis kann auch für Publikationen aus anderen Sachgebieten verliehen werden, welche zur Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothesen beitragen, die in Ciompis Konzept der Affektlogik zur Logik des Zusammenwirkens von Fühlen und Denken formuliert sind.

Das Preiskomitee hat unter Leitung von Prof em. L. Ciompi zum Jubiläumskongress SGPP 2021 angesichts einer Vielzahl hochkarätiger Bewerbungen den Preis aufgeteilt und zwei wissenschaftliche Arbeiten von Schweizer Forschenden prämiert sowie einen Anerkennungspreis für die Beschreibung einer langjährigen sozialpsychiatrischen Begleitung ausgesprochen.

Die Preisverleihung fand wegen des diesjährigen online–Formates des SGPP Kongresses im Vorfeld statt und wurde aufgezeichnet.

Verschiebung der IAS Jahrestagung vom 10./11.09.2021 auf 19./20.11.2021

Es tut uns sehr leid, dass wir die Jahrestagung kurzfristig verschieben müssen. Auf der Zielgerade der Planungen sind unerwartete organisatorische Probleme entstanden. Die Organisatoren der diesjährigen Tagung aus Berlin und Hennigsdorf haben sich deshalb schweren Herzen für eine Verschiebung  auf den 19./20.11.2021 entschieden. Die Tagung wird wie gehabt in Berlin und Hennigsdorf stattfinden. Aufgrund der kurzfristigen Verschiebung sind nun neue Planungen und Anpassungen erforderlich, die vermutlich 2-3 Wochen in Anspruch nehmen werden. Sobald eine definitive Planung besteht, werden wir Sie per Newsletter sowie über diese Webseite informieren.

Als Vorstand der IAS entschuldigen wir uns ausdrücklich bei allen, die bereits zugesagt und ihre Anreise geplant hatten. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir Sie, liebe Freunde und Förderer der Soteria, sehr herzlich um Verständnis. Wir hoffen, dass wir Sie möglichst zahlreich im November in Berlin wiedersehen werden.    

Besondere Ehrung für die Soteria Bern/ Jahrestagung 2021

Die WHO fordert im jüngst erschienenen WHO-Guidance-Report für die Versorgung psychisch Kranker ganz entschieden die Wahrung der Menschenrechte, die Beachtung der Würde und den Verzicht auf Zwangsmaßnahmen. Die Berner Soteria wird hierbei ausdrücklich als Good-Practice-Beispiel genannt, ausführlich beschrieben und als exemplarisch für eine angemessene Versorgung psychisch Kranker empfohlen.

Die Arbeitsgemeinschaft Soteria freut sich mit den Berner Kolleginnen und Kollegen über diese besondere Auszeichnung, die nicht nur eine Würdigung der nun fast 40-jährigen engagierten Arbeit für das Soteria-Projekt darstellt, sondern auch die weitere Verbreitung der Soteria (und anderer Projekte) auf Basis der UN-Behindertenrechtskonvention verbindlich macht. Genauere Infos finden Sie hier.

Die Planung zur kommenden IAS-Jahrestagung befindet sich in den letzten Zügen. Die Jahrestagung wird am 10./11.9. dieses Jahres in Berlin stattfinden. Als gemeinsame Ausrichter firmieren die Kolleginnen und Kollegen in Berlin und Hennigsdorf. Entsprechend wird die Tagung in Berlin und die Jahreshauptversammlung der IAS in Hennigsdorf stattfinden. Eine Einladung mit ausführlichen Informationen wird in Kürze versendet bzw. auf dieser Seite veröffentlicht werden.

MilieutherapeutIn gesucht!

Die Soteria Reichenau sucht Verstärkung für das milieutherapeutische Team. Haben Sie Interesse? Wir suchen eine interessierte KrankenpflegerIn, die sich die Arbeit in einer Soteria als persönliche wie professionelle Entwicklung gut vorstellen kann. Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an den Stationsleiter Tobias Flemming (t.flemming@zfp-reichenau.de oder 07531-9778760).

 

IAS-Jahrestagung 2020 verschoben

Die Corona-Pandemie stellt gegenwärtig viele für den Herbst geplante Veranstaltung in Frage. Da die gegenwärtige Lage kaum Planungssicherheit zulässt, hat der Vorstand der IAS nun entschieden, die diesjährige Jahrestagung in das kommende Frühjahr zu verschieben. Die Jahrestagung soll weiterhin als gemeinsame Veranstaltung der Soterien in Hennigsdorf und Berlin stattfinden, der voraussichtliche Termin wird noch bekanntgegeben. Da von der Verschiebung jedoch auch die Mitgliederversammlung, die traditionell am zweiten Tag der Jahrestagung stattfindet, betroffen ist, werden wir Sie in den kommenden Wochen über einen Newsletter über die aktuellen vereinsinternen Entwicklungen noch einmal ausführlich informieren.

 

Psychische Gesundheit und Corona

Die Corona-Krise hat zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben geführt, die auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben können, zumal auch therapeutische und psychiatrische Hilfsangebote “runtergefahren” sind.

Wir haben zwischen dem 6.4. und 1.5.2020 eine kurze Online-Befragung durchgeführt, um zu überprüfen, ob Menschen mit psychischen Erkrankungen stärker auf diese Einschränkungen reagieren als Gesunde und welche Rolle hierbei gesundheitsförderliches Verhalten spielt.  Erste Ergebnisse finden Sie hier.

 

Soteria in Corona-Zeiten

Der weitgehende Shutdown des gesellschaftlichen Lebens im Zuge der Corona-Krise betrifft auch die psychiatrische Versorgung und damit auch die Soteria-Einrichtungen. Die Versorgungsangebote sind runtergefahren, teils durch die Kliniken, um Kapazitäten für Isolierstationen zu schaffen, teils auch, weil Patienten den Gang in die Klinik aus Sorge vor Ansteckung scheuen. Die Soterien sind da keine Ausnahme. Immerhin: Die Soterien in München-Haar, Bern, Berlin, Gangelt und Zwiefalten sind geöffnet und haben ihr Angebot entsprechend angepasst. So wird in Zwiefalten auf das gemeinsame Einkaufen verzichtet, in München werden Gruppenangebote mit Schutzmasken durchgeführt. Die Belegung ist allerorts heruntergefahren, um durch Einzelzimmer die Ansteckungsgefahr zu mindern. Die PatientInnen arbeiten prima mit und leisten – trotz z.T. akuter Psychose – ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. „Akute psychotische Zuspitzungen nehmen keine Rücksicht auf Pandemien“, sagt Walter Gekle, Leiter der Soteria Bern. „Wir tun weiterhin, was notwendig ist, um Menschen aus akuten Krisen zu begleiten.“ In Reichenau musste die Soteria kurzfristig geschlossen werden, um Ressourcen für andere Stationen bereit zu stellen. Die Patienten werden nun so gut es geht ambulant versorgt, z.T. auch per Videokonferenz. „Menschen mit Psychosen können mit Corona umgehen“, sagt Daniel Nischk aus Reichenau. „Jeder tut, was notwendig ist, auch wenn die Quarantäne viele Menschen einsam macht.“ Martin Voss von der Soteria Berlin: „Auch wenn die Corona-Krise manche Menschen mit Psychose extrem verunsichert, die meisten setzen die Schutzmaßnahmen konsequenter um als viele andere.“ In Krisen müssen sich alle anpassen, allerdings dürfen gerade die Hilfen für schwer Betroffene nicht auf der Strecke bleiben. Die Soteria-Iniative bleibt aktiv: die kommende Jahresversammlung der IAS hat Roswitha Hurtz, Vorsitzende der IAS, schon fest im Blick. Voraussichtlich im November wird in Berlin die IAS-Tagung als Kooperation der Soteria (ähnliche) Station in Hennigsdorf und Berlin stattfinden.

Luc Ciompi auf der DGPPN-Jahrestagung 2019

Anlässlich seines 90. Geburtstages trug Luc Ciompi seine persönliche Reflektionen zum Rätsel der Schizophrenie auf dem diesjährigen DGPPN-Kongress in Berlin vor – ohne Frage eine Highlight, dem mehrere Hundert Besucher im Saal sowie auf den Leinwänden im Außenbereich folgten. Seine Ausführungen waren ebenso persönlich, bewegend wie zukunftsweisend. Er schilderte seine persönliche und wissenschaftliche Annäherung zur „Sphinx“ der Schizophrenie: Dies beinhaltete u.a. die prägende Erfahrung mit der Erkrankung in seiner Familie, seine auf eigener Forschung beruhende Erkenntnis, dass die Schizophrenie häufiger als angenommen auch „heilen“ kann sowie die langjährige intensive Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse, der systemischen Therapie und auch antipsychiatrischen Ansätzen, die sich schließlich zu einem umfassenden Schizophrenie-Verständnis in Form seiner „Affektlogik“ verdichteten. Psychose entstehe bei vulnerablen Menschen als Folge eines unerträglichen Anstiegs der Affektspannung. Und Soteria sei der fundierte Versuch, diese durch milieutherapeutische Mittel zu reduzieren, was sich durch Forschung, klinische Erfahrung und auch aktuelle Forschung belegen lasse. Der Vorsitzende der Vortragsveranstaltung, Prof. Falkai, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie an der LMU München, nannte im Anschluss an den Vortrag Ciompi’s Wirken einen „Volltreffer der Translation“ und stellte besonders die erfolgreiche Übersetzung der Forschungsergebnisse in die therapeutische Praxis heraus. Bei der folgenden Diskussion, die sich v.a. um die Frage drehte, warum dennoch nicht mehr Soteria-Einrichtungen existieren, wurden v.a. die weiterhin unzureichende Datenlage, mit der eine Überlegenheit von Soteria gegenüber der herkömmlichen Klinikbehandlung nachgewiesen werden kann, sowie ökonomische und strukturelle Zwänge als Hinderungsgründe identifiziert. Dennoch endete die Veranstaltung mit einem vorsichtig optimistischen Ausblick und der von allen Beteiligten geäußerten Hoffnung, dass in nächster Zeit weitere Soteria-Einrichtungen initiiert werden. Insbesondere die Tatsache, dass nach der Charité in Berlin nun mit dem ZI Mannheim eine weitere Universitätsklinik eine Soteria eröffnet hat, wurde als positives Signal für die Zukunft der Soteria-Idee gewertet.

Nachlese der Jahrestagung in Bonn

Dr. Walter Gekle

Am 15.-16.11.2019 fand in den Rheinischen Kliniken Bonn die diesjährige Jahrestagung der IAS statt. Michael Schormann und sein Team berichteten ausführlich, wie die individuelle und intensive Betreuung der Patienten in der Soteria-Station die eigene Arbeit bereichert und sich auch positiv auf die Behandlungsqualität der gesamten Klinik auswirkt. Besonders interessant: Im Rahmen eines Modellprojektes werden stationäre und ambulante Behandlungselemente im Sinne langfristiger individuenzentrierter Unterstützung vernetzt – eine Chance und Herausforderung für die Soteria-Gemeinschaft hier an der Speerspitze einer zukunftsfähigen Psychiatrie zu stehen. Daran anknüpfend bot Dr. Walter Gekle, Leiter der Soteria in Bern, einen umfassenden Überblick, wie Soteria nicht nur in besonderer Weise auf die speziellen Einschränkungen und Bedürfnisse von Menschen mit akuten Psychosen eingeht, sondern auch ideale Möglichkeiten bietet, die aktuellen S3-Behandlungsleitlinien der Psychosebehandlung umzusetzen. Walter Gekle unterstrich besonders die Bedeutung der Stationen mit Soteria-Elementen: diese könnten wesentliche Multiplikatoren darstellen, die den Soteria-Gedanken stärker als bisher in der Fachöffentlichkeit verankern können. Zum Vortrag gelangen Sie hier.
Auf der öffentlichen Mitgliederversammlung der IAS am Samstag wurde Dr. Alexander Gogolkiewicz aus Zwiefalten einstimmig in den Vorstand der IAS gewählt. Dr. Gogolkiewicz, Chefarzt in Zwiefalten, möchte insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren. Es sei erschreckend, dass Soteria immer noch nicht allen Betroffenen, Angehörigen und Profis ein Begriff sei. Auch Martin Urban, der den Soteria-Gedanken innovativ in den Bereich der Eingliederungshilfe in seinem „Haus der Hoffnung“ implementiert hat, mahnte abschließend: Soteria sei nicht nur „wünschenswert“ – sondern klinische Notwendigkeit, weil Soteria angemessener mit den Besonderheiten der Erkrankung umgehe. Soteria soll und muss sich stärker in die aktuelle Debatte zur Zukunft der Psychiatrie einbringen, so Martin Urban. Das hat auch das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, das international renommierteste deutsche Forschungsinstitut, erkannt: In den nächsten Tagen wird dort ebenfalls eine Soteria-Einheit in Betrieb genommen.

Für Interessierte stehen die Protokolle der Mitgliederversammlung und der Plenumsdiskussion hier zur Verfügung.