ISPS Lausanne 2026: Soteria international so präsent wie nie

Der diesjährige internationale ISPS-Kongress in Lausanne stand zugleich im Zeichen des 70-jährigen Bestehens der ISPS. Für die internationale Soteria-Bewegung war der Kongress ein besonderer Erfolg: Mit insgesamt acht Vorträgen, Workshops und Diskussionsveranstaltungen war Soteria so sichtbar vertreten wie nie zuvor. Ein besonderer Dank gilt Walter Gekle (Bern) und Theresa Wolf (Hennigsdorf), die maßgeblich dazu beigetragen haben, das Thema im Rahmen des Soteria-Chapters innerhalb der ISPS zu etablieren und im Kongressprogramm zu verankern.

Zu den Höhepunkten gehörte der eindrucksvolle Vortrag von Nev Jones (Pittsburgh) über die historisch und gesellschaftlich gewachsenen Strukturen von Macht, Armut, Zwang und Gewalt sowie deren Einfluss auf heutige psychiatrische Theorien und den klinischen Alltag. Mit ihrem Plädoyer, sich nicht auf Verbesserungen innerhalb des bestehenden Systems zu beschränken, sondern tiefgreifende strukturelle Veränderungen anzustoßen, griff sie zentrale Fragen einer zukunftsorientierten Psychiatrie auf. Der Vortrag wurde mit Standing Ovations gewürdigt und traf damit einen Nerv, der sich durch viele Beiträge des Kongresses zog – und auch das Thema Soteria beförderte.

Besondere Akzente setzten die Keynote von Luc Ciompi sowie die Beiträge von Walter Gekle, Susan Musante (Mitbegründerin der Soteria Alaska), Theresa Wolf und der belgischen Initiative El Camino. Sie verdeutlichten eindrucksvoll die internationale Weiterentwicklung und Vielfalt des Soteria-Gedankens.

Besondere Aufmerksamkeit fand zudem die Podiumsdiskussion zur konzeptionellen Ausrichtung von Soteria. Pesach Lichtenberg und Avrem Friedlander diskutierten gemeinsam mit Walter Gekle und Daniel Nischk die Frage, inwieweit Soteria auch auf geschlossenen Stationen verwirklicht werden kann. Im Mittelpunkt stand die grundlegende Frage, ob Soteria in erster Linie als therapeutische Haltung verstanden werden sollte oder ob bestimmte strukturelle Rahmenbedingungen – insbesondere kleine, offene und reizgeschützte Milieus – unverzichtbare Voraussetzungen für die charakteristischen therapeutischen Prozesse darstellen. Die Diskussion machte deutlich, dass beide Sichtweisen Chancen, aber auch Risiken bergen: Während eine ausschließlich haltungsbezogene Definition den Begriff beliebig werden lassen könnte, besteht umgekehrt die Gefahr, das Konzept durch eine zu enge strukturelle Definition unnötig einzuschränken. Die Soteria Fidelity Scale (SFS) könnte künftig dazu beitragen, die Diskussion über das Konzept differenzierter anhand von empirischen Daten zu gestalten.

Erfreulich sind auch die Entwicklungen in anderen Ländern: In Belgien wird in Kürze die Soteria El Camino eröffnet. Auch in Großbritannien laufen – unter anderem durch Kate Allsopp und Mary Horgan – konkrete Vorbereitungen für neue Einrichtungen. Dies unterstreicht die anhaltend positive internationale Entwicklung der Soteria-Bewegung.