Trauer um Martin Urban

Martin Urban (1939-2023)

Wir sind traurig über die Nachricht, dass Martin Urban am 10.1.2023 unerwartet verstorben ist. Martin Urban war mit der IAS eng verbunden und kam mit seiner Frau Susi Urban regelmäßig zu unseren Jahrestagungen. Er hat sich seit Jahrzehnten dafür eingesetzt, den Soteria-Gedanken auch außerhalb der Klinik umzusetzen, u.a. in der Offenen Herberge in Stuttgart und zuletzt im Haus der Hoffnung in Bad Tabarz. Geholfen haben ihm dabei sein unermüdliches Engagement sowie eine beeindruckende Energie und Hartnäckigkeit im Umgang mit Behörden und Kostenträgern. Als studierter Theologe mit philosophischem Hintergrund stand er auch für zuweilen unkonventionelle Ansätze und Meinungen, die bei Betroffenen und Interessierten viel Anklang fanden, u.a. seine Seminare zur seelischen Gesundheit unter dem Titel „Drei Dinge braucht der Mensch“. In besonders guter Erinnerung wird sein Vortrag auf der IAS-Tagung im Oktober 2022 am Zentrum für Psychiatrie Reichenau bleiben, bei dem er anhand seines eigenen beruflichen Weges auch auf die weiterführende gesellschaftliche Verantwortung von in der Psychiatrie Tätigen hinwies.

Wir werden ihn vermissen.

Affektlogik Revisited

Im September 2022 hielt Luc Ciompi anlässlich der Reichenauer Herbstschule einen vielbeachteten Vortrag über neuere Entwicklungen im Bereich seiner Affektlogik. Um den vielen Nachfragen gerecht zu werden, hat das Zentrum für Psychiatrie Reichenau den Vortrag mittlerweile als Lehrfilm auf YouTube veröffentlicht. Hier geht es zum Film.

Otsuka Team Award 2022 geht an Hennigsdorf

Hennigsdorf, 20. Dezember 2022 – Das Team der Akutstation mit Soteria-Elementen der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Oberhavel Kliniken, Klinik Hennigsdorf, ist einer der Preisträger des Otsuka Team Award Psychiatry+ 2022. Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung, die zur Hälfte an eine gerontopsychiatrische Initiative der Johannes Gutenberg-Universität Mainz geht, wird jedes Jahr an zukunftsweisende Initiativen und Projekte vergeben, die Experten unterschiedlicher Fachrichtungen für eine bessere Versorgung der Patienten zusammenbringen. Ziel ist es, das zu fördern, was in der Behandlung psychiatrischer Patienten besonders wichtig ist: das Team.
Die Verleihung fand am Donnerstag, dem 24. November 2022 im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) zum Thema „Ethik, Recht und psychische Gesundheit“ in Berlin statt. Die Laudatio hielt der Vorsitzende der Jury, Prof. Dr. med. Peter Falkai vom Klinikum der Universität München. Chefärztin Priv.-Doz. Dr. med. Maria Jockers-Scherübl, die Leitende Psychologin Dr. rer. nat. Theresa Wolf, Oberärztin Dr. med. Helena Ronneberger, Pfleger Max Herlein und die Sozialdienstmitarbeiterin Magda Zynda-Elst nahmen den Preis in Berlin entgegen. Theresa Wolf stellte anschließend die in Europa aktuell einzigartige akutpsychiatrische Station mit Soteria – Elementen, die gleichzeitig den (einzigen) Versorgungsauftrag für den gesamten Landkreis Oberhavel der Klinik Hennigsdorf innehat, in einem Kurzvortrag vor.

„Der Preis ist ein wichtiges, motivierendes Signal“, erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Maria C. Jockers-Scherübl, Chefärztin der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie in den Oberhavel Kliniken. „Er zeigt einerseits, dass das Soteria -Konzept in der allgemein- und akutpsychiatrischen Versorgung angekommen ist und andererseits, dass trotz der Corona-Pandemie, die allen Mitarbeitern Entbehrungen abgerungen hat, ein höchster Versorgungsstandard aufrechterhalten werden konnte. Das Preisgeld kommt dem gesamten Stationsteam zugute und wir werden zusammen über die weitere Verwendung abstimmen. Insgesamt soll das Preisgeld dafür genutzt werden, dass sowohl die Mitarbeiter als auch unsere Patientinnen und Patienten sich weiterhin wohl bei uns fühlen.“

Weitere Informationen zur Akutstation mit Soteria-Elementen (Station 21) der Klinik Hennigsdorf bietet die Internetseite der Fachabteilung Psychiatrie und Psychotherapie unter www.oberhavel-kliniken.de.

Verleihung des Otsuka Team Award Psychiatry+ auf dem DGPPN-Kongress 2022 in Berlin an das Gewinnerteam der Oberhavel Kliniken, Klinik Hennigsdorf, vertreten durch Priv.-Doz. Dr. med. Maria-C. Jockers-Scherübl (1. Reihe, 5. v. l.), Dr. med. Helena Ronneberger (1. Reihe, 4. v. l.), Magda Zynda-Elst (1. Reihe, 3. v. l.), Dr. rer. nat. Theresa Wolf (1. Reihe, 2. v. l.) und Pfleger Max Herlein (2. Reihe, 3. v. l.) sowie an das Gewinnerteam der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Foto: GCI Health).

Rückschau Jahrestagung 2022

Die IAS-Jahrestagung in Reichenau fiel dieses Jahr zusammen mit dem 10-jährigen Jubiläum der Soteria. 10 Jahre Soteria, so berichtete zum Auftakt Chefarzt Dr. Simon Senner, hat nicht nur die Behandlung junger Psychosebetroffener in Reichenau verbessert, sondern auch die Klinik als Ganzes positiv geprägt. In diesem Sinne illustrierten die Referenten:innen, die fast alle auch die Soteria Reichenau persönlich kennen, dass sich aus der Kombination mit anderen (vermeintlich gegenläufigen) Behandlungskonzepten für die Patienten unerwartete Synergien ergeben können. So zeigte Susanne Breinlinger, dass insbesondere die persönliche Beziehungsgestaltung Chancen für die Traumatherapie von Menschen mit Psychosen sowie ermutigende, Vorurteile entkräftende Ergebnisse erzielen kann (Vortrag hier). Rico Gutschmidt berichtete über die Bedeutung mystischer Erfahrungsinhalte bei akuten Psychosen für die Betroffenen, die bei einem gegenwärtig laufenden Forschungsprojekt in Reichenau untersucht werden. Martin Urban, der der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria (IAS) seit Jahrzehnten verbunden ist, berichtete in einem sehr persönlichem und bewegendem Vortrag darüber, wie man den Soteriagedanken auch außerhalb einer psychiatrischen Akutklinik trotz vieler sozialrechtlicher Widrigkeiten umsetzen und leben kann (Vortrag hier). Zum Abschluss demonstrierte Josi Rom anhand von klinischen Alltagssituationen wie sich Soteria und psychodynamische Zugänge zur Psychose sinnvoll ergänzen können und welche therapeutische Haltung beiden zugrunde liegt.

Bei der öffentlichen Vereinssitzung wurde Anastasia Schnabel, die sich aus persönlichen Gründen von der Vorstandsarbeit zurückziehen, herzlich verabschiedet. Als Nachfolger wurde Simon Schlenser zum Schatzmeister gewählt. Zusätzlich wurde Dr. Ines Göttler von der Soteria München in den Vorstand berufen.

Um die zukünftigen Aufgaben – insbesondere die internationale Vernetzung, die Unterstützung bei Implementierungen des Soterias-Konzeptes und die Forschung – noch besser bewerkstelligen zu können, wurden Arbeitsgruppen gegründet. Auf erste Ergebnisse im kommenden Jahr dürfen wir gespannt sein: dann trifft sich die IAS in Berlin zum 10-jährigen Bestehen der dortigen Soteria.

Siebtes Symposium Psychose und Sucht

Am 16.09.2022 findet das 7. Symposium “Doppeldiagnose Psychose und Sucht” in der Klinik Hennigsdorf statt. Der Tradition unserer Symposien “Doppeldiagnose Psychose und Sucht” folgend wird ein vielfältiges Programm angeboten, das insbesondere die verschiedenen Versorgungsformate für diese wichtige Patientengruppe präsentiert sowie neue Behandlungsoptionen vorstellt. Auch die politischen Pläne zur Cannabislegalisierung sollen von verschiedenen Seiten beleuchtet und diskutiert werden. Den Flyer mit allen weiteren Informationen finden Sie hier.

Ein Wiedersehen in Reichenau

Die Jahrestagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria findet vom 9.-10. September 2022 in Reichenau statt. Zum 10. Geburtstag der Soteria Reichenau freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit allen Interessierten, mit allen Freund:innen und Kolleg:innen. Der Titel “Von der Psychosebegleitung zur langfristigen Unterstützung” steht nicht nur exemplarisch für die Entwicklung der Soteria Reichenau, sondern aller Soteria-Projekte: Von der Begleitung akuter Krisen haben sich die Soterien allerorts zu einem umfassenden Behandlungsmodell entwickelt, das Gemeindenähe, Individuenzentrierung und Inklusion anders und nachhaltig lebt. Vor diesem Hintergrund werden die Referent*innen aus unterschiedlichen Perspektiven das Potential der Soteria als “Versorgungsmodell” aufzeigen.

Am Samstag findet die öffentliche Mitgliederversammlung der IAS statt. Am Freitag abend findet das Tagungsfest in der Cafeteria des ZfP Reichenau statt. Um die Tagung vorbereiten zu können, bitten wir um Anmeldung bis zum 19.8.2022 bei b.naujoks@zfp-reichenau.de. Den Flyer zum Download finden Sie hier.

Akutbehandlung auf Station mit Soteria-Elementen

Die Behandlung akuter Psychosen auf konventionellen Akutstationen bringt nicht nur Betroffene an ihre Grenzen, sondern auch die in der Psychiatrie Tätigen. Das wird angesichts des gegenwärtigen Mangels an Mitarbeitenden in der Psychiatrie nur allzu deutlich. Umso wichtiger ist es, dass sich der Soteria-Gedanke in seinen vielfältigen Umsetzungen immer wieder ins Gespräch bringt. Die Kolleg:innen in Hennigsdorf berichten in ihrem aktuellen Blogbeitrag illustrieren in ihrem aktuellen Blogbeitrag anschaulich, wie dies umgesetzt und gelebt werden. Zum Beitrag geht hier.

Soteria Jahrestagung 2022

SAVE THE DATE: Die diesjährigen Jahrestagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria wird am 9./10.9.2022 in Reichenau stattfinden. Die Soteria Reichenau feiert gleichzeitig ihr 10-jähriges Bestehen. Die Planung hat bereits begonnen. Über Neuigkeiten halten wir Sie auf dem Laufenden.

Soteria – ein unterschätztes Behandlungsmodell für Menschen mit Psychosen

Soteria ist weit mehr als eine alternative Form der akuten Begleitung. Soterien sind vielmehr lokal gut vernetzte Angebote, die eine langfristige und sektorenübergreifende Unterstützung von Menschen mit Psychosen umsetzen. Das Potential der Soteria wird erst deutlich, wenn man diese langfristige, persönliche und gemeindenahe Unterstützung in den Blick nimmt. Walter Gekle und Daniel Nischk haben kürzlich versucht die Soteria auch als umfassendes “Versorgungsmodell” zeitgemäß zu verorten. Mehr dazu hier.